Weite_Welt

Pelewin Viktor

Die Dialektik der Übergangsperiode von nirgendwoher nach nirgendwohin

Luchterhand, München 2004

Ernestam2

Pelewin ist ja ein inzwischen mit Preisen überschütteter russischer Autor, was mehr über die russische Kultur aussagt als dieser ganze Roman. Schon “Generation P” war für den uninitiierten nicht-russischen Leser ein harter Brocken, an dieser “Dialektik...” ist der Leseteufel schier verzweifelt.

Diesmal ist der Held Stepan Michailow nicht der Werbebranche entsprungen, sondern, den Weltläuften entsprechend, ein gerissener Banker. Keiner seiner Kollegen und Rivalen durchschaut sein Erfolgsrezept, das, schlicht, aus der Zahl 34 besteht, um die er sein ganzes Handeln aufbaut. Geradezu liebevoll schildert Pelewin diese abergäubische Besessenheit, angereichert durch fernöstliche Heilslehren. Bei jeder Gelegenheit konsultiert Stepan nämlich seinen Guru, der für ihn das Orakel liest.

Sicher hält Pelewin hier den russischen Neureichen einen Spiegel vor die verkokste Nase, eine löbliche Aufgabe, gewiss, denn kurz vor Stepans 43. Geburtstag wendet sich das Blatt. Die 43 ist nämlich seine Horrorzahl. Er lässt sich in homosexuelle Abenteuer verwickeln, die Pelewin  detailliert eklig darstellt, wird von seinem Mentor, einem ehemaligen KGB-Agenten, fallen gelassen, seine englische Partnerin brennt mit seinem Vermögen durch und ihm bleibt nur die Flucht. “Stepan starrte vor sich hin auf den Schreibtisch. In seinem Kopf hielten sich nur wenige Gedanken auf.” (S. 221) Große Anerkennung gebührt Andreas Tretner, dem hervorragenden Übersetzer.