Weite_Welt

Cunqueiro Alvaro

In Gesellschaft des Zauberers

Insel Verlag, Frankfurt 1992

Ernestam2

Alvaro Cunqeiro lebte als Schriftsteller und Journalist in der Bischofsstadt Mondonedo in Galizien und starb dort 70jährig 1981, von der übrigen Welt wenig beachtet. Ein bisschen erinnert er in seinem Schicksal an Hermann Lenz, der ja auch ein recht vergessenes Dasein in München führte, bis er kurz vor seinem Tod von Handke wiederentdeckt wurde.

Hier enden aber auch schon die Parallelen, denn Cunqueiro schöpft offensichtlich aus der reichen Sagenwelt der galizischen Kultur und seiner unmittelbaren Umgebung, hat dieses Buch auch erst in Galizisch geschrieben und dann selbst ins Spanische übersetzt. Leider gehen die Feinheiten bei der Übersetzung ins Deutsche wohl verloren. Trotzdem erkennt der Leseteufel hier eine sehr eigentümliche Sprache und einen mäandernden Satzbau, bei dem, wie in einer mündlichen Erzählung, mit dem Unwichtigen beiläufig begonnen wird , um dann in Schleifen und Verschachtelungen gegen Ende des Satzungetüms das eigentlich Wichtige zu offenbaren.

Ich hoffe, es ist mir gelungen, diese Satzbauweise ein wenig nachzuahmen. Worum geht es eigentlich? Felipe, der anfangs 12jährige Erzähler, dient bei seinem Herrn Merlin, dem Zauberer, zu dessen Haus in Miranda die eigenartigsten Personen und Wesen pilgern, um bei ihm Rat oder durch einen Zauber Hilfe zu finden. Ähnlich der Art und Weise, wie Cunqeira erzählt, ist auch der Gegenstand seiner Erzählung. Jedes Kapitel beschreibt einen “Fall”, den Merlin löst, zum Beispiel die Geschichte von dem “abnehmbaren Weg” oder der “Lötung des silbernen Prinzesschens”, die allerdings misslingt.

Ein bisschen wie in der “chasarischen Chronik” entsteht allmählich ein buntes Gesamtbild einer wundersamen, logikfreien Welt, die eigentlich nur die Kindheit sein kann, in der Magie und Wirklichkeit ineinander übergehen. Und Felipe wird im Laufe der Erzählung älter, heiratet, bekommt einen Sohn und verliert ihn vierjährig innerhalb eines verschachtelten Halbsatzes und klagt immer wieder über seine vergangene glückliche Zeit mit dem Zauberer. Alles ein wenig sperrig zu lesen, aber von suggestivem Charme.