Leseteufel Deutsch

Arz Martin

    Die wilde Reise des unfreien Hans S.

Hirschkäfer, München 2016

Precht

 Martin Arz (Jg. 1963) hat schon eine Krimi-Reihe veröffentlicht, bevor er sich mit diesem Roman in Anlehnung an die Memoiren des historischen Johannes Schiltberger (um 1427) an diesen Romanschinken machte. Der Vorbilder sind viele, nicht alle an Niveau erreicht.

Aber Arz hat einen saftigen, farbigen Abenteuerroman im historischen Gewand geschrieben, in dem er sich erzählerische Freiheiten nahm, die ihm wohl Krimis nicht ermöglichen.

Auch der historische Münchner Hans S. schloss sich 14jährig dem letzten Kreuzzug 1394 an und erlebte mit seinem Freund Max die blutige Niederlage gegen die Osmanen, in deren Folge beide in türkische Gefangenschaft geraten, Max in Folge der traumatischen Erlebnisse von da an taubstumm und katatonisch, ein “Untoter”. Sie kämpfen mit anderen Europäern als Assassinen für die Osmanen, nach deren Niederlage gegen den Tatarenherrscher Tamerlan für ebendiesen.

In den Pausen zwischen Gemetzel nach Gemetzel saufen, huren und albern sie herum. Arz genießt es, alle nur möglichen sexuellen Praktiken ausführlich zu beschreiben, so war die Welt halt damals. Dazwischen ergreifende Liebesszenen, aber der arme Hans und seine Compagnons müssen immer weiter ziehen, bis nach Sibirien, von dem der historische Hans als erster verkündet.

Schließlich kommen sie reich an Beute und Erfahrungen nach 33 Jahren wieder in ihre Heimatstadt, die ihnen nach den Reichtümern des Orients arg armselig erscheint.

Ein gründliches Lektorat hätte dem Schinken gut getan, aber es ist eine spannende Lektüre.