Leseteufel Deutsch

Walser Martin

    Tod eines Kritikers

Suhrkamp Frankfurt, 2002

Precht

Wenn schon vor dem Erscheinen eines Buches soviel Medienwirbel inszeniert wird wie bei diesem Roman, kann der Leseteufel natürlich nicht widerstehen und muss das Objekt des Streites erwerben um selbst nachzuprüfen, was an den Vorwürfen, hier handle es sich um ein antisemitisches Werk, dran ist. Kurz gesagt: Nichts! Leider ist auch sonst nichts dran.
Ich kann gut verstehen, dass Walser das Gehabe von Literaturkritikern, und hier insbesondere das des bekanntesten von allen, nämlich Ranicki, auf die Nerven geht. Und ich finde, er hat auch das Recht dazu, ihn nach Herzenslust zu karikieren. Da verfährt meines Wissens der berühmte Literaturkritiker mit den Autoren nicht anders.
Leider erschöpft sich Walsers Kreativität damit auch schon: Wie sattsam bekannt, ist der Literaturkritiker  Ehrl-König verschwunden und der Schriftsteller Hans Lach wegen Mordverdachts festgenommen worden. Der Ich-Erzähler will dessen Unschuld beweisen und führt Gespräche mit allen einschlägigen Vertretern der Medienbranche. Für Insider sicher ganz neckisch, wer hier was über wen sagt und sich dabei selbst entblößt, aber vom literarischen Standpunkt aus wirklich nur Tratsch, noch dazu seitenweise in indirekter Rede. Ich muss gestehen, schon wieder ein Walser Werk, das ich nur bis zur Mitte lesen konnte, und auch das nur unter Mühen.