Weite_Welt

Viel Tanguy

Das Verschwinden des Jim Sullivan

Wagenbach, Berlin 2014

Ernestam2

Tanguy Viel (Jg. 1973) hat schon mehrere Romane geschrieben, ehe er 2013 diesen schmalen “amerikanischen Roman” im französischen Original veröffentlichte. Ähnlich wie sein Kollege Joel Dicker schreibt er eine Geschichte darüber, wie ein Roman, diesmal ein amerikanischer, zu schreiben sei. Das tut er in einem verbindlichen, liebenswürdigen Stil, und der Leseteufel ist sehr angetan von diesem Vexierspiel zwischen der Planung eines wirklich amerikanischen Romans mitsamt möglichem Personentableau und den typischen Schauplätzen und dem tatsächlichen Narrativ, das sich daraus entwickelt. Natürlich blitzt die Ironie hinter jeder Erzählfacette hervor, denn es sind nun mal die amerikanischen Schriftsteller weltbekannt.

Leider gelingt es Viel nicht, den Leser wirklich für seine Personen und Handlung zu interessieren, das Ganze wirkt auf Dauer zu artifiziell, konstruiert. Zum Glück sind die 120 Seiten schnell gelesen.

Ein interessantes Experiment ist es allemal.