Leseteufel Deutsch

Kermani Navid

    Ungläubiges Staunen

C.H. Beck, München 2016

Precht

Der persischstämmige, in Köln aufgewachsene und dort lebende Schriftsteller Kermani befasst sich schon seit längeren mit religiösen Fragen. Der Titel rührt wohl daher, dass er als Moslem dem Christentum gegenüber eine staunende Grundhaltung einnimmt, wobei das “ungläubig” sowohl auf seinen Status als Moslem , als auch auf das Element der Überraschung hinweist, denn seine Beschäftigung mit dem christlichen Glauben führt ihn zu überraschenden Erkenntnissen über die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen, in Kermanis Fall mit dem Sufismus, dem er nahesteht: “Jesus als “Geist Gottes” bei den Sufis, während er bei Mohammed “Gesandter Gottes” bleibt (S. 69) in Zweifelsfällen steht ihm ein ungenannter “katholischer Freund” Rede und Antwort.

Als Medium seiner Betrachtungen wählt er 40 christliche Darstellungen, zu denen er meditativ Zugang findet, zum Teil als Interpretation, zum Teil aber auch als Anlass für weitergehende, zum Teil auch autobiografische Überlegungen.

Er beruft sich unter anderen Quellen auf das apokryphe Thomas-Evangelium, um seine Auffassung von Christentum zu veranschaulichen.

Während im Inneren des Buches das Christentum in seinen vielen Facetten dargestellt wird, wird es im Umschlagbild symbolisch von muslimischen Miniaturen umschlossen.

Eine immer versöhnliche, liebenswürdige Betrachtung der beiden Religionen in all ihrer Vielfalt.