Leseteufel Deutsch

Willmann Thomas

    Das finstere Tal

liebeskind, München 2010

Precht

 Willmann ist ein Münchner Musik- und Kulturjournalist, der mit diesem “Heimatroman” sein erstes Buch vorlegt. Er schreibt bewusst altmodisch, in der Tradition von Stifter und Ganghofer, den er in seiner Danksagung auch als seinen “Schutzheiligen” neben Sergio Leone bezeichnet. Und damit ist sein Sujet hinreichend und eigenwillig charakterisiert.

Es geht um die archetypische Figur des einsamen Rächers, der nach Jahren zurückkommt, um grausam Rache zu nehmen für lange zurückliegendes Unrecht. “High Noon” in alpenländischem Szenario des 19. Jahrhunderts.

Willmann führt seinen jungen Fremden mit Namen Greider behutsam in die geschlossene Dorfgemeinschaft eines abgelegen Hochtals ein, in dem noch archaische Gesetze herrschen, von der mächtigsten Familie des Tals, den Brenners, mit Hilfe des Pfarrers durchgesetzt. Greider kommt im Herbst mit Malerutensilien auf einem Maultier ins Dorf, wird gegen viel Gold bei der Witwe Gader und deren Tochter Luzi einquartiert, das alles unter den misstrauischen Augen der 6 Brennersöhne.

Es gelingt ihm, sich so einzufügen, dass er nicht mehr auffällt, seine Zeichenprojekte ermöglichen es ihm, überall aufzutauchen, ohne Argwohn zu erregen.

Als der Winter im Tal einbricht, wissen alle, dass Greider bis zum Frühjahr hier gefangen ist. Er beobachtet, wie Luzi sich in einen Nachbarssohn verliebt und die Hochzeit ansteht, die alle immer bedrückter werden lässt.“Und es schien ihm, dass nichts die Menschen und die Stimmung in diesem Tal so gut zusammenfasste, wie diese Musiklosigkeit.” (S. 163)

Und da erfahren wir Leser in mehreren Rückblenden, erzähltechnisch schwerfällig, was es mit Greiders Vergangenheit und der Dorfgemeinschaft auf sich hat, und dass der Begriff der Brautentführung hier durchaus tragisch gemeint ist.

Zwei Brennersöhne kommen schon vor dem Hochzeitstag bei schrecklichen “Unfällen” ums Leben, der Tag selbst wird zu Greiders heimtückischer, grausamer Abrechnung mit der Brenner-Familie und dem Dorf.

Am ersten Frühlingstag verlässt er einsam und ohne Dank die Stätte seines unheilvollen Wirkens, wie der Sheriff in “High Noon”.