Englischsprachige Literatur

Locke Attica

Heaven, My Home

Polar, Stuttgart 2020

Galbraith3

Dies ist der zweite in Osttexas spielende Krimi mit dem Schwarzen Darren Mathew als Texas Ranger, den die junge PoC Attica Locke geschrieben hat. Für ihren Erstling “Bluebird, Bluebird” hat sie 2018 mehrere Preise gewonnen.

 Anfangs ist das Personentableau etwas verwirrend. Darrens weißer (ist das nicht auch rassistisch?) Chef Wilson hat ihn nach Jefferson geschickt, um dort die Ermittlungen gegen die Arische Bruderschaft voranzubringen. Darren wird dort in die Suche nach dem verschwundenen 9jährigen Sohn eines inhaftierten Mitglieds dieser Bruderschaft verwickelt. Er stößt dabei auf eine Mauer des Schweigens, auch als er in Hopetown, einer kleinen Schwarzen- und Indianersiedlung nachforscht, die am Caddo Lake liegt. Der alte Leroy Page, ein Nachfahre der ersten Siedler, die freigelassene Sklaven waren, führt ihn an der Nase herum, die reiche weiße Großmutter des verschwundene Jungen desgleichen und immer lauert im Hintergrund die Gefahr, als Schwarzer angegriffen, ja sogar ermordet zu werden.

Locke verwendet viel Zeit darauf, die Geschichte des kleinen Ortes Hopetown zu erzählen: von Schwarzen gegründet, die in Harmonie mit den Indianern leben, denen ursprünglich das ganze Land gehört hat. Page hat nach und nach das ganze Land herum zusammengekauft und muss nun erleben, dass weiße Squatter eine Wohnwagensiedlung auf seinem Land einrichten und ihn verjagen wollen. Deshalb plant er sein Land zu verkaufen, wird dabei aber von der durchtriebenen Großmutter des verschwundenen Jungen über den Tisch gezogen.

Der Titel des Buches spielt an auf einen Song und zeigt gleichzeitig, dass Heimat nie sicher ist. Im Gegensatz zu vielen anderen schwarzen Schriftstellern, malt ocke niemals schwarz-weiß. Auch ihre farbigen Figuren, vor allem aber Darren selbst sind vielschichtig, nicht frei von Schuld. Sie zitiert überausführlich Songs schwarzer Musiker, um die Stimmung zu beleuchten, für Uneingeweihte etwas mühsam.

Am Ende findet Darren den weißen Jungen auf einer verlassenen Insel im See, Page bekommt einen neuen, fairen Vertrag, hat aber nicht mehr viel davon, weil er auf Grund eines Angriffs der Arischen Bruderschaft im Koma liegt.

Der Roman spielt kurz nach dem Wahlsieg Donald Trumps, vor seiner Inauguration, und malt ein düsteres Bild der zerrissenen amerikanischen Gesellschaft.

Übersetzt wurde das Buch von Susanne Mende, mit einem geschwätzigen Nachwort cum hoch erhobenem moralischen Zeigefinger von Sonja Hartl.