Weite_Welt

Ropponen Markku

Finnischer Mittsommer

Piper, München 2009

Ernestam2

Markku Ropponen schrieb sich mit seinem ersten, im Original 2003 erschienenen Krimi in die Topliga der Krimiautoren hinein, eine Art finnischer Janet Evanovic, nicht ganz so hirnrissig komisch, aber dafür um Klassen absurder. Und sprachlich spielt Ropponen auch in der Weltbesten-Liga, mit Mut zu Originalität übersetzt von Stefan Moster.

Ropponen ist Jahrgang 1955 und hauptberuflich Bibliothekar, er kennt sich also mit Büchern und Sprache aus und stellt das schnoddrig-genial unter Beweis. Sein Held und Privatermittler Otto Kuhala ist, wie üblich, Expolizist und von seiner Frau verlassen, auch sein Sohn Tatu, Student in Helsinki, lässt kaum von sich hören. Die Geschichte spielt im Juni in Iyväskylä, dem unaussprechlichen Heimatort des Autors. Es ist so heiß, dass alles verdorrt und die Nerven blank liegen, was zu einer Reihe von Morden führt, angefangen mit dem Verschwinden eines jungen Mädchens, was sonst.

Ropponen ist mehr mit sich und seiner desolaten Lage beschäftigt als mit seinen Ermittlungen, auch exzessive Katerstimmungen machen ihm zu schaffen, kaltäugig beobachtet von seinen beiden Geckos Inkeri und Hytönen.

Da lernt er im Zuge seiner halbherzigen Ermittlungen die Kommissarin Annukka kenen und lieben, was ihm einigermaßen Auftrieb gibt. Er gerät an die abenteuerlichsten Typen und Zustände, bis er endlich den Mörder findet. Das Ende ist etwas enttäuschend.

Aber eigentlich geht es um Ropponen und wie er die Welt sieht; und das bereitet großes Vergnügen: “In seiner ganzen Pracht stand er nackt am Souterrainfenster, mit den krampfadrigen Beinen, der schlaffen Taille und den Scheunentorschultern; sein Profil setzte sich aus ähnlichen Bestandteilen zusammen wie das von Eddie Constantine“. (S. 57)