Weite_Welt

Toussaint Jean-Philippe

Sich lieben

Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt 2003

Ernestam2

Toussaint, Jg.57, ist wohl ein in Frankreich anerkannter Autor, ein, wie der deutsche Klappentext lobt, “begnadeter Minimalist”. Nun umgeben sich ja gerade französische Autoren gern mit der Aura des Elitären, hier jedoch tippt der banausige Lesteufel eher auf “ennuierende Redundanz und Larmoyanz”.

Es geht um zwei 40Jährige, den namenlosen Ich-Erzähler und seine Marie, die nach sieben Jahren gemeinsamer Zeit erkennen müssen, dass sie sich nicht mehr lieben. Eine alltägliche Situation, wie Erich Kästner lakonisch konstatierte: “Es kam ihnen ihre Liebe abhanden, wie anderen Leuten Stock oder Hut.”

Da hilft auch die exotische Kulisse Tokio und Maries glamouröse Existenz als Modeschöpferin nichts, die sie und ihren zaudernden Ex-Geliebten nach Tokio geführt hat, um eine Ausstellung ihrer Schöpfungen vorzubereiten.

Der Leseteufel kann sich Toussaints Erfolg allenfalls damit erklären, dass er ausgiebige bittersüße Liebesszenen einbaut, ansonsten ist das selbstgefällige Gejammere des Ich-Erzählers allzu ermüdend und verhindert die weitere Lektüre.

Die 2010 im gleichen Verlag erschienene Fortsetzung dieser Affäre ,“Die Wahrheit über Marie” , löst übrigens die gleiche nachhaltige Lesehemmung beim Leseteufelchen aus.