Weite_Welt

Jon Kalman Stefansson

Der Schmerz der Engel

Piper, München 2011

Ernestam2

Schon des geradezu magischen Titelbildes wegen lohnt es sich, dieses Buch zu kaufen. Stefansson, Jg 1963, hat ein eng umgrenztes Thema, die Geschichte seiner Familie. “Der Junge”, mit dem Briefträger Jens die Hauptfigur dieses Romans, tritt wohl schon in Stefanssons Erstling “Himmel und Hölle” auf. Sein Großvater?

Die Geschichte ist nicht sonderlich wahrscheinlich oder logisch. Mitten im tiefsten Winter macht sich der Briefträger Jens in Begleitung des vielleicht 14jährigen Jungen mit drei Postsäcken auf in den Nordwesten Islands, um die Post dorthin zu bringen. Von Anfang an ist klar, dass die Naturgewalten ihnen eigentlich keine Chance lassen. So quälen sie sich ständig durch Schneestürme und die früh einsetzende Dunkelheit. Gleich zu Beginn müssen sie im Schneesturm in einem kleinen Kahn über einen Fjord, was sie kaum überleben.

Sie retten sich zu Bauern, die in ihren Erdhäusern eingegraben gerade eben den Winter zu überstehen hoffen. Das Leid und die Grausamkeit der Lebensbedingungen sind schier unvorstellbar. Gerade im hiesigen Sommer kann der Leseteufel die Geschichte mit einem wohligen Gruseln überstehen, für die Protagonisten bleibt es bis zum Schluss ungewiss, ob sie das auch tun.

Stefansson hat sich mit solcherart Geschichten an die Spitze der isländischen Autoren geschrieben, mit großer poetischer Kraft. Das Buch ist eigentlich eine einzige wehmütige Klage über die Härte der isländischen Existenz als solche, aber der Leseteufel ist nicht ganz sicher, ob nicht auch ein gewisser Manierismus im Spiel ist.