Leseteufel Deutsch

Ritzel Ulrich

    Die schwarzen Ränder der Glut

Libelle Verlag, 2001

Precht

Als Krimiautor ist Ritzel (Jahrgang 1940) ein Spätberufener und hat wohl als Gerichtsreporter ein Leben lang das Material gesammelt, das er jetzt in seinen Romanen verarbeitet. Dies ist sein dritter Krimi mit Kommissar Berndorf, inzwischen pensioniert. Für den Zweiten, “Schwemmholz”, erhielt er 2000 den deutschen Krimipreis.

Und Ritzel ist sehr amibitioniert, was das Lesen nicht wirklich erleichtert. Er fängt an so vielen Punkten seine Erzählstränge an, dass der Leser schon Übung im Entwirren von Garnknäueln haben muss. Zudem reicht Ritzel, wie für einen aufrechten deutschen Autor unerlässlich, die Gegenwart nicht aus, sondern er wechselt auch zu einem Ereignis von 1972, was ihm reichlich Gelegenheit gibt, die wilden 68er darzustellen und dann zu verfolgen, was aus ihnen geworden ist. 

Es geht nämlich darum, dass 1972 unter Kommissar Berndorfs Leitung ein Polizeieinsatz in der Szene damit endete, dass sein Kollege den Verdächtigen in einer Kurzschlussreaktion erschoss. Als sich ebendieser Kollege 2000 erhängt, ist das für Berndorf  Anlass, den Fall wieder aufzurollen. Und wem er dabei nicht allen über den Weg läuft. Einer obskuren völkischen Akademie, die sich um die Regermanisierung des Elsass bemüht, kriminellen Soziologieprofessoren, Möchtegern-Doktoren, paranoiden Studienrätinnen und dergleichen Personal mehr. Es ist alles bedingt interessant für den Leseteufel. Ein paar Leseproben gefällig? “... im Teppichboden wechseln sich Brandspuren ausgetretener Zigarettenkippen mit Flecken ab, von denen Berndorf die Herkunft lieber nicht wissen will.” (S. 66) oder “Kalt hat sich Wut in Tamars Gesicht gekrallt” (S. 231). Tamar ist übrigens Berndorfs Ex-Assistentin, natürlich lesbisch, wie es sich, politisch korrekt, gehört.