Weite_Welt

Theorin Johann

Inselgrab

Piper, München 014

Ernestam2

J. Theorin legt mit “Inselgrab” den vierten Band seiner Tetralogie über die Insel Öland vor, die um Mittsommer spielt. Für den an kalte, verregnete Schwedenkrimis gewöhnten Leseteufel eine ganz neue Erfahrung, von der sengenden Hitze auf der Insel zu lesen und den Touristen, die in Scharen einbrechen und sich im Ferienclub der reichen Familie Kloss amüsieren. Deren Mitglieder sind allesamt unsympathisch, bis auf den Jungen Jonas, einen Neffen des Kloss-Clans, der sich mit Ferienarbeit in der Villa Geld verdient.

Die zweite Hauptfigur ist Gerlof Davidsson, ein 80jähriger Greis. Er lebt das Jahr über im Altersheim auf dem Festland, den Sommer aber verbringt er im Ferienhaus der Familie. Dieser 80jährige muss das erzählerische Bindeglied darstellen zwischen der Gegenwart und dem Geschehen in den frühen 30er Jahren des 20. Jh., als ein gleichaltriger Bekannter mit seinem Stiefvater in die “neue Welt” entschwindet, um dort sein Glück zu versuchen. Statt in Amerika findet er sich jedoch in einem Straflager der Sowjetunion unter Stalin wieder, erfährt ungeheure Grausamkeiten, bis er einen russischen Mitgefangenen ermordet und dessen Identität annimmt. Da er sehr zielsicher schießt, steigt er mit den Erschießungskommandos auf im Sicherheitsapparat und kommt erst als ebenfalls 80Jähriger zurück auf die Insel, um grausam Rache zu nehmen an der Familie Kloss, die ihn als uneheliches Kind des Familienpatriarchen schmählich betrogen hat.

Die Erzählkonstruktion ist sehr schwerfällig, wie immer, wenn heute noch Überlebende von “damals”  die grauenhaften Zustände der Zeit mit ihrem eigenen Erleben authentizieren sollen. Die Handlung ist zudem mit vielen uninteressanten Nebenfiguren und -erzählsträngen belastet. Theorin verzettelt sich gründlich, alleine sein suggestiver Erzählton verhindert, dass der Leseteufel das Buch genervt zur Seite legt.