Weite_Welt

Costantini Roberto

Die Saat des Bösen

Bertelsmann, München 2014

Ernestam2

Roberto Costantini ist wie sein Protagonist Michele Balistreri 1952 in Tripolis geboren und kam mit 18 Jahren nach Italien, wo er als Unternehmensberater arbeitete, bis er mit seinem Erstling “Du bist das Böse” seinen literarischen Durchbruch hatte. “Die Saat des Bösen” ist der 2. Band einer geplanten Trilogie um die Hauptfigur des Kommissars Michele.

Wer allerdings einen Thriller erwartet, wird von diesen 640 Seiten herb enttäuscht. Umständlich und weit ausholend schildert Costantini die Jugend des Helden und seiner “Blutsbrüder” Achmed, Nico und Karim . Michele ist ein selbstherrlicher, unbeherrschter, zu Gewalttätigkeit neigender Sohn der bedeutendsten und reichsten italienischen Familie in Tripolis, voll von Zorn auf seinen Vater und alle sonstigen Autoritäten. Seine libyschen Freunde sind die Söhne von Mohammed, dem wichtigsten Mitarbeiter von Ingenere Balistreri, trotzdem haust die Familie in einer Baracke neben einer Jauchegrube, was die Balistreris in ihrer prächtigen Villa nicht weiter zu stören scheint.

Die Tochter Mohammeds wird grausam ermordet und halbherzig sucht der junge Michele nach ihrem Mörder, auch unterstützt von seiner Mutter Italia (!), der einzigen, die Michele wirklich liebt. Sie stürzt sich von einer Klippe, was Micheles Wut weiter steigert. Sein Vater verhilft Gaddafi zur Macht, um für Italien ans libysche Öl zu kommen, was Gaddafi damit dankt, dass er die italienische Kolonie in Libyen zurück in die Heimat treibt. Ihr Hab und Gut müssen sie zurücklassen, aber Micheles Vater hat sich und sein Vermögen längst in Sicherheit gebracht.

Die Handlung beginnt 1962 und endet 1983, eine lange, ermüdende Zeitspanne für den armen Leseteufel, der die Gedanken- und Handlungssprünge Micheles und seines Autors nur mit Mühe weiter verfolgt, auch wenn es in Italien zu weiteren grausamen Morden an jungen Frauen kommt, bei denen der Protagonist, inzwischen Kommissar, ermittelt.

Costantini ersetzt erzählerisches Können durch verschiedene Ich-Perspektiven, abwechselnd mit allwissenden Erzählphasen. Er wie sein Held wirft mit wilden Verdächtigungen der Mächtigen und Schönen um sich, ohne je konkret zu werden. Vielleicht kommt das beim italienischen Publikum ja gut an, der Leseteufel ist ermattet und frustriert.