Weite_Welt

Ampuero Roberto

Tod in der Atacama

Bloomsbury, Berlin 2012

Ernestam2

Roberto Ampuero hat ein bewegtes Leben gelebt: 1953 in Valparaiso/Chile geboren, emigrierte er voll kommunistischen Eifers nach Kuba, nur um dort desillusioniert erst zum Studium in die DDR, dann nach Westdeutschland zu ziehen. Er lebt jetzt in den USA, sozusagen beim Klassenfeind, wo er in Iowa creative writing unterrichtet. Er war aber auch schon Botschafter Chiles in Mittelamerika.

Sein etwa gleichaltriger Privatdetektiv Cayetano Brule´, gebürtiger Kubaner, lebt zwar schon sein halbes Leben in Valparaiso, sehnt sich aber immer noch nach der heißblütigen Karibik. Stattdessen wird er von einer deutschen Journalistin beauftragt, den Mord an dem ostdeutschen Entwicklungshelfer Willi Balsen aufzuklären, der in der Atacama, der auf 2500m gelegenen trockensten Wüste der Welt, ein Bewässerungssystem aufbauen wollte.

Nun interessieren sich Ampuero und sein Protagonist eigentlich für alles mehr als für diesen Mord: Die Chilenen als solche im Vergleich zu den Kubanern, die Wüste Atacama und ihre Ureinwohner, die Legenden um vergrabene Schätze, die schönen, heißblütigen Frauen, die lästigen, hauptsächlich deutschen Touristen...

Weil die Szenerie aber so fremdartig, exotisch ist, folgt der Leseteufel dem Geschehen bereitwillig, auch weil Ampuero die Umgebung so eindringlich schildert, kongenial übersetzt von Carsten Regling.

Der Plot entwickelt sich schwerfällig, aber überraschend logisch, das Ende durchaus glaubwürdig. Ein ungewohntes, faszinierendes Leseerlebnis. Da der gute Cayetano schon in vier Fällen ermittelt hat, ist die Fortsetzung garantiert.